Rede zur Kundgebung gegen Sexismus an der Goethe-Uni

Letzten Mittwoch, den 17. 1. 2018, fand eine Kundgebung vor dem Präsidiumsgebäude statt, um Solidarität mit den Betroffenen sexueller Belästigung zu zeigen und den vernachlässigenden bzw. unsensiblen Umgang mit dem Vorfall seitens der Universität zu kritisieren, die am 2. Januar durch einen Artikel der FAZ veröffentlicht wurde.
(http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/frankfurter-universitaet-belaestigungsvorwuerfe-gegen-dozenten-15370529.html)

Die Fachschaft03 nahm an der Kundgebung Teil und hielt eine Rede, die vor allem auf die neueste Stellungnahme des Präsidiums eingeht. https://aktuelles.uni-frankfurt.de/campus/stellungnahme-zum-faz-beitrag-uebergriffe-auf-dem-campus/

Wir geben hier eine leicht überarbeitete Version der Rede wieder:

„Die Fachschaft 03 ist hier, um eine deutliche Postion zu beziehen, die unglücklicherweise von univeritärer Seite aus etwas zu mangeln scheint: Klar hinter der betroffenen Person und mit einer deutlichen Haltung gegen die Vorfälle. Stattdessen sehen wir hier eine sehr unpassende Reaktion, die in der Lage dazu ist, das Vertrauen in einen adäquaten Umgang mit Vorfällen von Belästigung und/oder Übergriffen seitens der Universitätsstrukturen nachhaltig zu schaden.
In der Stellungnahme des Präsidiums der Goethe-Universität zum FAZ-Beitrag „Übergriffe auf dem Campus“ vom 3.Januar 2018 heißt es: „Im von der FAZ dargestellten Fall wird fälschlicherwise der Anschein erweckt, die Goethe-Universität bzw. die Gleichstellungsbeauftragte seien im vorliegenden Fall untätig geblieben. Dies ist definitiv unzutreffend. Ebenso unzutreffend sind die beiden der Gleichstellungsbeauftragten in den Mund gelegten Äußerungen Sie implizieren Beratungen zu sexualisierter Diskriminierung würden abgelehnt oder geringgeschätzt, wenn sie nicht auf einer Vergewaltigung beruhen, oder es sei mit Konsequenzen gedroht worden, wenn die Öffentlichkeit verständigt würde. Diese Aussagen sind nie gefallen und entsprechen auch nicht der Haltung und Arbeitsweise der Gleichstellungsbeauftragten.“
Hier wird also der betroffenen Person vorsätzliche Falschaussagen zu persönlichen Beratungsgesprächen unterstellt; dies in völligem Vertrauen auf Aussagen seitens der Gleichstellungsbeauftragten. Damit wird vor Allem der Ruf der Universität verteidigt und nicht die Sicherheit und das Wohlergehen der Betroffenen und der Studierenden.

Wir finden es sehr bedenklich, welches Signal das an mögliche weitere Betroffenen senden würde, die in den institutionellen Verfahren vernachlässigt oder ungerecht umgegangen werden, denn dies stellt ein Vorbeispiel dar, dass sich in solchen Fällen das Präsidium unüberprüft hinter den Beauftragten und gegen ihre Anliegen stellen würden. Das ist umso enttäuschender, da das Präsidium selbst in der Stellungnahme auf die Broschüre „Grenzen wahren“ (Hrsg. Von der Universität) verweist, die deutlich macht, dass, durch die Machtasymetrie zwischen Studierenden und Dozierenden, Studierende in einer besonders ungünstigen Lage sieht sich gegen sexuellen oder anderen Formen von Ausnutzung zu verteidigen.
Wir fordern, dass öffentliche unbegründete Aussagen gegen die Glaubenswürdigkeit von der Betroffenen eingestellt werden und sich mit ihren Beschwerden anständig auseinandergesetzt wird.

Wir finden es allerdings erfreulich, dass klare und direkte Maßnahmen vorgenommen wurden; wie im nächsten Absatz der Stellungnahme zu lesen ist, wurde dem Täter der Lehrauftrag entzogen und sein Akademisches Umfeld informiert. Wir schätzen auch das Wesen von institutionellen Kanälen und offizielles Anstreben gegen sexuelle Übergriffe und Belästigung. Wir fordern, dass solche Bestrebungen gestärkt und weiterentwickelt werden, inklusive eigenständige Beratungsplätzen abgekoppelt von direkten institutionellen Einfluss der Universität.“

 

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