Der NSU Komplex – Perspektiven auf strukturellen Rassismus

Enver Şimşek,Abdurrahim Özüdoğru,Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç,Mehmet Turgut, İsmail Yaşar,Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter sind jene Personen die vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zwischen den Jahren 2000 und 2006 ermordet wurden. Seit nunmehr drei Jahren läuft der Prozess gegen gegen die Mitglieder des NSU; im Sommer 2016 soll ein Urteil gefällt werden.
Während sich der Prozess im Wesentlichen auf die Einzeltäter*in-Theorie stützt und die Zusammenlegung von geheimdienstlicher, polizeilicher und staatlicher Ebene realisiert, bleibt eine Auseinandersetzung um den institutionellen und strukturellen Rassismus und den Umgang mit den Opfern und Angehörigen aus. Die Erfahrung der Angehörigen im Bezug auf die Täter*innen-Opfer-Umkehr während der Ermittlungen, den Stigmatisierungen bezüglich nationaler Zugehörigkeit und des strukturellen Rassismus bleiben weitestgehend ungehört.
Anhand verschiedener Lektüre und Gesprächspartner*innen, möchten wir der Frage begegnen, was der gesellschaftliche Umgang mit dem NSU für eine antirassistische und antifaschistische Praxis bedeutet. Einerseits möchten wir uns gemeinsam mit den Teilnehmer*innen des Tutoriums anhand ausgewählter Texte und Auszüge systematisches Wissen über die Chronologie der Geschehnisse erarbeiten. Hierbei möchten wir insbesondere Texte aus ‘NSU in bester Gesellschaft’ herausgegeben von Sebastian Friedrich et al. lesen, welche die institutionell gefestigten Strukturen, die Rassismus begünstigen, und das vermeintliche Wissen über Migration und deren häufige Verknüpfung mit Kriminalität im Kontext des NSU analysieren. Besonderer Schwerpunkt soll zudem auch der migrantischen Perspektive auf die Bearbeitung des NSU Komplex zuteil werden. Migrantische Selbstorganisierungen und betroffene Gruppen wie Dostluk Sineması kritisieren in ihrer aktiven Arbeit und Veröffentlichungen den öffentlichen und staatlichen Umgang mit der Aufklärung der Morde und des NSU. Sie hinterfragen, wie eine öffentliche Diskussion entstehen kann, die eine gesellschaftliche Auseinandersetzung über rassistische Gewalt ermöglicht und diese nicht reproduziert.
Daran anknüpfend möchten wir jenen emanzipatorischen Initiativen und Projekten Raum geben, die aktuell zu der gesellschaftlichen Aufklärung des Komplex NSU beitragen.
In Rücksprache mit den Seminarteilnehmer*innen wäre zudem eine Fahrt nach Kassel zu der Initiative 6. April denkbar. Im Mai würden wir gern mit den Teilnehmer*innen des Tutoriums die Wanderausstellung “Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen” in der Bildungsstätte Anne Frank, besuchen. Wir freuen uns auch über alle weiteren Ideen bezüglich Ausstellungen, Interviewpartner*innen oder Auseinandersetzungen mit dem NSU.

Kontakt: Laura und Almut, a.poppinga(at)hotmail.com
Erstes Treffen: Donnerstag, 21.04.16 um 12 Uhr im Café Aufhebung (Fachschaftenraum, PEG 1.207)

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