Ehrenamt im Wandel – Dienstbarkeit für wen? Dilemmata aus der Neuordnung des Sozialen

Es ist wohl unbestritten und wird aktuell gebetsmühlenartig postuliert: Ehrenamtliche bzw. freiwillig übernommene Tätigkeiten haben eine hohe Relevanz für diese Gesellschaft. Zunehmend und gerade in den letzten Jahren wird – angesichts der Herausforderungen durch die ungewohnt hohe Anzahl nach Deutschland Geflüchteter – die große Bedeutung immer mehr betont. Im wissenschaftlichen Diskurs ist das Thema etwa seit der Jahrtausendwende intensiver behandelt worden. Von Ausnahmen abgesehen, fällt eine eklatante Theorielosigkeit auf. Meistens handelt es sich entweder um quantitative Untersuchungen oder Formate, welche sich als Management- Literatur subsumieren ließen. Größere Untersuchungen sind dabei fast ausnahmslos auf Beauftragungen der Bundesregierung oder Entscheidungen des Bundestages zurückzuführen. Es mag insofern nicht weiter verwundern, dass eine letztlich durchweg affirmative Perspektive gegenüber dem Gegenstand eingenommen wird: Es geht etwa darum Engagement-Anreize zu schaffen oder Steuerungsprobleme zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen zu regulieren.

In dem Tutorium wird eingangs ein Einblick über den Forschungsstand gegeben. Gemeinsam werden wir uns dann die wenigen bestehenden kritischen Perspektiven aneignen. Evt. durch kleinere Feldforschungsprojekte, vor allem aber durch die Reflexion der eigenen freiwilligen Tätigkeiten, sollen relevante Aspekte zur Beleuchtung des Phänomens herausgearbeitet werden. Daraufhin soll gemeinsam darüber entschieden werden, welche kritischen Theorie-Ansätze (aus dem Portfolio (post)marxistischer, feministischer und (post)strukturalistischer Theorien) als interessant und vielversprechend zur Bearbeitung des Themas erachtet werden, um sich diesen problemorientiert annehmen zu können. Theorie wie (eigene) Praxis sollen nicht zu kurz kommen.

Kontakt: Carolin und David – david.malcharczyk@gmail.com
Erstes Treffen: Dienstag, 25.04.17 um 14 Uhr im Woanders (Fachschaftencafé), PEG 1G.207