ISOPOT

„Lang lebe der Tod!“ (Casper) – isopot No. 3

Was wir wollten und dennoch nicht schafften findet nun erneut sein Ende: fachliches Studi-Magazin mit politisch klarem Standpunkt schaffen, ein Forum für Debatte und eine Beschäftigung für notwendige Pausen. Ein Stückchen Analogie in a digital environment. Ohne dabei bestehenden Traditions-Magazinen wie der AStA-Zeitung oder dem Diskus auf die Füße zu treten. Auf selbige verweisen wir im Abgesang umso herzlicher als Folge-Lektüre. Durch Studienende und mangelnde Erbsorge unsererseits stirbt der isopot seinen natürlichen Tod. Nicht vorenthalten wollen wir Euch dabei unsere letzte Ausgabe, die sich mehr als verzögerte – die Texte sind ausnahmslos aus dem Jahr 2016, haben jedoch noch nicht zu viel Staub angesetzt.
Zu unserem Pop-Schwerpunkt haben wir mit Sookee, die eine Einführung in die queere HipHop-Szene liefert, quasi zum ersten und voraussichtlich letzten Mal eine Star-Autorin. Sophie Osburg widmet sich in „unserem Mode-Teil“ dem Zusammenhang von Krieg, Pop und Subversion. Und dem Schwerpunkt geschuldet gibt es diesmal neben einem Standpunkt-Artikel von Arne Niem auch Rezensionen zu zugegeben nicht mehr ganz so aktuellen Alben und Serien.
Den wissenschaftlichen Abschluss macht Nathalie Emmer mit einer Geschichte der Riot-Grrrl-Bewegung der 90er. Der lange Weg dieser Ausgabe ist damit, so meinen wir, keinesfalls dem Inhalt geschuldet und ohne zu Wissen ob wir überhaupt Leser*innen hatten: wir haben gelebt.

Sagt zum Abschied leise servus,
die redaktion

PS: Wer dem Tod keine Ruhe lassen mag, lange Weile hat und dieses Heft wieder aufleben lassen oder gar fortführen will: Man lebt nur zweimal. Herzlichst, isopot@gmx.de

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Abschaffen, abschaffen – isopot No. 2

Liebe Genoss*innen,

alle Genossen haben sich auf diesen Parteitag vorbereitet und sollten wissen, dass die syndikalistische Abweichung eine anarchistische Abweichung ist, und dass die Arbeiteropposition, die sich hinter dem Proletariat versteckt, ein kleinbürgerliches, anarchistisches Element ist.

Die Auseinandersetzung, die Lenin auf dem 10. Parteitag der KPdSU meint, mutet 95 Jahre später erst einmal nur anachronistisch an. Sie zeigt zudem aber an, wie weltabgewandt ähnliche Debatten heute sein müssen, angesichts der globalen Hegemonie kapitalistischer Vergesellschaftung, die sich in ihrer postfordistischen Formation so nah gekommen zu sein scheint, wie noch nie zuvor.
Davon ist auch der isopot nicht ausgenommen, in der heutigen Zeit ein Heft zur Revolution zu machen scheint gleichsam anachronistisch. Was tun nämlich, da Revolutionen geschichtlich bisher durch rechten oder linken Autoritarismus zerschlagen wurden? Die Reflexion darüber zwar bisweilen geleistet ist, sich aber nicht in emanzipatorische Praxis überträgt, das Identitätsdenken nicht erschüttern kann? Was tun, wenn die Freiheit, die der Kapitalismus verspricht, sich real anfühlt? Was, wenn den Kritiker*innen dann noch Zynismus und ein ironisches Einleitungszitat von Lenin bleiben? Wie könnte dagegen aber eine gewisse Ernsthaftigkeit erlangt werden – eine Ernsthaftigkeit, die Kritik im doppelten Sinne verbindlich macht?
Wenn die Universität nicht Schrittmacher sondern Herz der neoliberalen Transformation ist und die Forderung nach Freiheit in den gegenwärtigen Kapitalismus integriert worden ist, erfüllt Kritik die gleiche Funktion wie Benjamin über den orthodoxen Marxismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts feststellt. Gleichsam gilt sein Wort, nach dem Revolutionen nicht, wie Marx gedacht habe, die Lokomotiven der Weltgeschichte seien, sondern „der Griff des in diesem Zuge reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.“
Um aber zu klären, was für ein Zug das ist, in den die Menschheit gestiegen ist, versucht Tim Dreyer in diesem Heft zu einem Begriff des Neoliberalismus zu kommen als einer Ideologie, die auch und vor allem die Hochschule im 21. Jahrhundert strukturiert. Und obwohl sie Raum, wenn auch wenig, für die Auseinandersetzung mit kritischer Theorie bietet, stoßen linke Akademiker_innen an und nach der Uni ganz praktisch an ihre Grenzen, wenn die Hierarchien der postfordistischen Arbeitswelt so flach doch nicht sind: „Wie sich der Reformismus in die ‚spannenden Jobs‘ vieler Linker schleicht“, ein Text von Frieda Heumann und Mark Richter von der Gewerkschaft IWW. Und dann geht es doch noch um einen Grundkonflikt der Linken, Markus Hennig macht den Anarchismus gegen Lenin stark. Schließlich analysiert auch die Arbeit von Marius Kött im Wissenschaftsteil die neoliberale Ideologie am Beispiel des Governance-Diskurses, der auch die Frankfurter Politikwissenschaft dominiert.
Daneben findet ihr wie auch schon in der ersten Ausgabe einen Auslandsbericht, Reflexionen und Ankündigungen der Autonomen Tutorien sowie Neuigkeiten aus der Fachschaft und der Universität. Viel Spaß bei der Lektüre!

Mit lieben Grüßen aus 1 beschädigtem life,
eure isopot-redaktion

isopot@gmx.de

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Cover und Inhalt

Kann das weg? – isopot No. 1

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Lesende,
es sind kleine Schritte, die den Wandel der Goethe-Universität und des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften in Frankfurt anzeigen: Die Umbenennung der Wege und Plätze auf dem IG-Farben-Campus, mit denen sich die Universität – neben der lange geforderten und endlich erreichten Würdigung Norbert Wollheims – vor allem mit den wohlklingenden Namen kritischer Theoretiker schmückt. Dass sie diesen längst keine Herberge mehr bieten möchte, zeigt der Weggang und die Verdrängung derjenigen Lehrenden, die überhaupt noch eine politische Position vertreten. Diese Transformation zum Schlechten ist aber auch angezeigt durch die Unterfinanzierung bestimmter Fachbereiche und die Bürokratisierung von Prüfungsangelegenheiten mittels einer immer mehr regulierenden Struktur. Ein ähnlicher Trend zur pompösen Inszenierung bei gleichzeitiger Marginalisierung vieler Menschen und Forderungen zeigt sich auch in der Stadt Frankfurt. Die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Stadt wird bei Anlässen wie der Eröffnung des neuen Sitzes der Europäischen Zentralbank oder den Festlichkeiten zum 25. Jubiläum der deutschen Einheit gefeiert. Zu welchem Preis jedoch? In der ganzen Stadt breitet sich das homogene Bild des erfolgreichen, weißen Bankers aus und die Mieten steigen ins Unermessliche, während Arbeiter mit Migrationshintergrund zu Hungerlöhnen neue, exklusive Stadtteile wie das Europaviertel erschaffen. Die politisch Verantwortlichen in der Stadtverwaltung scheinen kein Problem damit zu haben, Menschen mit anderen Lebensentwürfen, Fluchthintergrund und geringeren ökonomischen Mitteln zu ignorieren, zu verdrängen und im schlimmsten Fall erfrieren zu lassen.
Der Fokus auf ökonomisch verwertbare Forschung, Imagepolitik und prekäre Beschäftigungsverhältnisse an der Universität sowie die einseitige Offenheit für Kapitalinteressen der Stadt Frankfurt führen einerseits zu Ärger, dem Teile der Studierenden bei verschiedenen Protestaktionen im vergangenen Semester Ausdruck verliehen haben. Auf der anderen Seite wird diese unaufhaltsam scheinende Entwicklung der Universität, die mit vermeintlicher Notwendigkeit begründet wird, wohl im Stillen als schmerzhafter Verlust empfunden. Es ist der Verlust eines eher freien Studiums, einer eher freien Reflexion über Gesellschaft in einer vom ökonomischen Zwang noch nicht völlig durchdrungenen Stadt und Gesellschaft: Ohne die fordistische Hochschule zu verklären, ist es in der neoliberalen doch erheblich unbequemer.
Wir, Student*innen in der redaktion des isopot, sehen diesen Wandel zum Schlechteren nicht als Grund für Akzeptanz und Resignation, sondern als Chance für grundlegende Kritik und politische Intervention. Jede mit natürlicher Notwendigkeit oder ökonomischer Alternativlosigkeit begründete Entwicklung kann hinterfragt werden und ist veränderbar. Solche Kritik und die Beschäftigung mit Vorstellungen jenseits der Verwertungslogik sollen hier ihr Forum haben.
Der isopot soll halbjährlich, jeweils zu Beginn eines Semesters, und in gedruckter Ausgabe erscheinen. Dementsprechend sind hier eher längere und systematisierende Artikel zu lesen, die die Dinge ordnen und zueinander in Beziehung setzen können. Ein gedrucktes und insofern zusammenhängendes und redigiertes Heft ermöglicht den Artikeln ihrerseits Beziehung zueinander aufzunehmen. Gedruckte Studierendenmagazine werden immer wieder als anachronistisch und unnötig teuer dargestellt. Die Form soll aber eben wie der Inhalt nicht der ökonomischen Nutzenmaximierung unterworfen werden, sondern die Möglichkeit eröffnen, sich in Seminar- und Lernpausen, sowie wenn der Akku mal wieder leer ist, sich diesem Magazin zu widmen. Inhaltlich soll der isopot ein Raum sein für Information über und Kritik an der Entwicklung der Universität im Ganzen wie über die Geschehnisse am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, die von ihrem ‘Forschungsgegenstand’ nicht enthoben sind. Das heißt, dass auch die Ereignisse im Raum Frankfurt, von denen die Universität und die Studierenden nicht losgelöst sind, hier Platz finden sollen. Dementsprechend fragt der Schwerpunkt der ersten Ausgabe nach gegenwärtigen Entwicklungen und politischen Kämpfen an der Universität und darüber hinaus in der Stadtgesellschaft: Quo vadis, Frankfurt?
Die Gruppe Project.Shelter gibt dazu Auskunft über den Kampf gegen rassistische Ausgrenzung und für ein selbstverwaltetes migrantisches Zentrum. Die fantifa stellt sich gegen die sexistischen Praktiken sogenannter ‘Pick-Up-Artists’, die in Frankfurt und auch auf dem Campus agieren. Hier kämpft die Hilfskraft-Initiative für einen Tarifvertrag für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte. Außerdem macht M. N. Teimori auf ein wenig berücksichtigtes Diskriminierungsverhältnis in der kritischen Theorie und an der Uni aufmerksam, Klassismus.
In weiteren Teilen des Heftes, wie in den kommenden Ausgaben, ist Platz für Seminararbeiten, die nicht nur auf Festplatten und im Uni-Archiv verstauben sollen, und Berichte über Auslandsaufenthalte von Studierenden, sowohl in, als auch aus Frankfurt. Der Auslandsbericht kommt dieses Mal aus Glasgow, wo die dortige Universität die schrecklichsten Phantasien universitärer Bürokratie und Verwaltungsglauben auszuleben scheint. Außerdem erfahrt ihr über das Alternativprogramm am Fachbereich 03, in diesem Semester mit neun Autonomen Tutorien, unter anderem über Aushandlungsfelder von Männlichkeit, den „Studien zum autoritären Charakter“ und Kritischen Gewerkschaftstheorien. Zum Einstieg berichten aktive Fachschaftsmitglieder über aktuelle Auseinandersetzungen am Fachbereich und informieren über neue Entwicklungen.

Wir wünschen allen neu an die Universität Gekommenen eine gute Zeit – seid ermutigt, anders zu studieren. Auch allen anderen Leser*innen wünschen wir ein angenehmes Semester. Die nächste Ausgabe des isopot wird zu Beginn des Sommersemesters 2016 erscheinen. Haltet Ausschau nach dem Call, beteiligt euch mit Texten und in der redaktion.

Viel Spaß bei der Lektüre und <3-liche Grüße
isopot-redaktion

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Cover und Inhalt

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