Materialien zur Kritik der Soziologie

„Die soziologische Neutralität wiederholt die soziale Gewalttat, und die blinden Fakten, hinter die sie sich verschanzt, sind die Trümmer, in welche die Welt von der Ordnung geschlagen ward, mit der die Soziologen sich vertragen.“ (T. W. Adorno, 1942)

Dieses Tutorium hat zum Ziel, die wesentlichen Unterschiede von Soziologie und kritischer Theorie der Gesellschaft herauszuarbeiten. Statt die Wissenschaft von der Gesellschaft (genauso wenig wie Gesellschaft selber) als natürlich gewachsen zu verstehen und somit bewusstlos vorauszusetzen, soll die Entstehungsgeschichte und die (sich wandelnde) Funktion von Soziologie im Kapitalismus untersucht werden. So kann dazu beigetragen werden, das weit verbreitete Vorurteil, bei der Soziologie handele es sich um eine (gesellschafts-)kritische Disziplin, zu problematisieren.
In diesem Tutorium soll zunächst versucht werden, die Entstehung und Entwicklung der naturwissenschaftlichen und sinnverstehenden Soziologie (und die Synthese beider) nachzuvollziehen. Anhand der Lektüre ausgewählter Vorträge der deutschen Soziologentage aus den Jahren 1910, 1946, 1968, 1990 und 2010 soll dann der affirmative Charakter der Soziologie untersucht werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den spezifischen Charakter der bundesrepublikanischen Soziologie der Nachkriegszeit gelegt, die von der Verleugnung der Nazi-Vergangenheit geprägt war. Chronologisch vorgehend könnte daran anschließend die veränderte Funktion von Soziologie im Neoliberalismus untersucht werden. Der genaue Lektüreplan soll nach gemeinsamer Absprache im Tutorium bestimmt werden.
Kontakt: Mortimer, m.berger(at)posteo.de
Erstes Treffen: Dienstag, 21.10.2014, 16.00 Uhr im Café Aufhebung (Fachschaftenraum, PEG 1.207)