Opa war ein Nazi – und Oma auch.

„Opa war ein Nazi – und Oma auch“ – Diese Aussage trifft wohl auf die viele Menschen zu, deren Vorfahren zwischen 1933 und 1945 in Deutschland lebten. Doch obwohl sich das postnazistische Deutschland mittlerweile als „Erinnerungsweltmeister“ fühlt und auch nicht davor zurückschreckt den Nationalsozialismus zur Führung von Angriffskriegen zu instrumentalisieren, hat sich an der Situation der persönlichen Vergangenheitsbewältigung in den meisten Familien seit 1945 nicht viel geändert. So stellt sich das angebliche kollektive „Aufwachen“ zur „Stunde Null“ nach 1945 in der Realität oft eher als ein kollektives Kopf in den Sand stecken dar, wenn es um die persönliche Vergangenheit geht.

Selbst bei Personen mit einem aufgeklärten und antifaschistischen Selbstverständnis kommen handfeste Recherchen zur eigenen Familiengeschichte oft nicht über den Status eines „man müsste/sollte mal“ hinaus und fallen dem Gefühl zum Opfer, dafür leider grade keine Zeit zu haben. Überwindet dann doch mal jemand das Berührungstabu bezüglich der eignen familiären Geschichte im Nationalsozialismus, bleiben diese Personen mit ihren Ergebnissen und Erlebnissen oft isoliert. Über den familiären Kreis hinaus wird kaum darüber gesprochen, was die Recherchen und die dabei zutage geförderten Fakten eigentlich bedeuten.

Mit unserem autonomen Tutorium wollen wir diesen Prozessen entgegenwirken. Wir wollen uns gemeinsam über die Möglichkeiten von Recherchen zu den eigenen Vorfahren informieren und diese Recherchen dann auch anstellen. Den Prozess und seine Fallstricke wollen wir dabei gemeinsam reflektieren und dabei auch Einordnungen und Bewertungen von dem, was wir herausfinden diskutieren.

Dabei soll sowohl ein vertieftes Verständnis des Nationalsozialismus, seines institutionellen Aufbaus und seiner gesellschaftlichen Organisation erarbeitet werden als auch eine Auseinandersetzung mit persönlicher Vergangenheitsbewältigung nach 1945 angestoßen werden und die aktuelle Relevanz solcher Prozesse herausgestellt werden.

Dazu wollen wir uns alle zwei Wochen treffen. Um einen geeigneten Termin zu finden und Absprachen zu treffen, was wir im Semester machen wollen, treffen wir uns am 03.05.2017 um 14 Uhr im Fachschaftenraum (Café Aufhebung – PEG 1.G 207). Falls ihr da nicht könnt, aber Interesse habt, schreibt eine E-Mail an s0130492[ät]stud.uni-frankfurt.de.

Das Tutorium richtet sich an alle Menschen, die Interessiere am Thema haben. Weder müssen die eigenen Vorfahren zwischen 1933 und 1945 in Deutschland gelebt haben, noch Nazis sein, noch ist es verpflichtend Recherchen anzustellen.
Kontakt: Patrick und Valentin – s0130492@stud.uni-frankfurt.de
Erstes Treffen: Mittwoch, 03.05.17 um 14 Uhr im Woanders (Fachschaftencafé), PEG 1G.207