Verletzlichkeit und Arbeit: Zum Verhältnis von Care-Ethik und Care-Politiken

Wir (die feministischen Philosoph_innen) möchten uns in unserem Tutorium mit der in der autonomen Linken gerade stattfindenden Debatte um Care, „Repro“ und Prekarität befassen und dabei unsere gemeinsame Beschäftigung mit philosophischen Bezügen auf Verletzlichkeit weiterführen. Im Zentrum steht dabei die Frage, in welchem Verhältnis feministische Ansätze, die Verletzlichkeit als Grundlage einer Care-Ethik nehmen, zu feministischen Politiken stehen, die Fürsorge vor allem über den Begriff der Care-Arbeit denken.
Für eine politische und queer_feministische Auseinandersetzung mit Verletzlichkeit und Care soll Butlers Auseinandersetzung mit einem ontologischen Begriff von Prekarität und Verletzlichkeit als Ausgangspunkt dienen (bspw. in „Frames of War“). Diesen und anderen akademischen Bezügen möchten wir Veröffentlichungen aus der aktuellen Care-debatte in der deutschen Linken zur Seite und gegenüber stellen: Welche Begriffe und Konzepte werden etwa in den die Veröffentlichungen des autonomen Kollektivs kitchen politics aus Berlin zentral? Wie findet dabei eine Verknüpfung materialistischer und queer_feministischer Annahmen statt? Im Anschluss an Debatten auf dem Care Kongress Berlin 2014 fragen wir uns auch, welche Probleme eine Politisierung über den Arbeitsbegriff bergen kann und ob bestimmte Perspektiven und Lebensrealitäten eventuell anderer Artikulation bedürfen. Angesichts der vielen ethischen Schlussfolgerungen feministischer Theoriebildung (älterer Entwürfe, die sich explizit als Ethik begreifen, wie Eva Feder Kittay oder Joan Tronto, aber auch jüngerer Ansätze von Butler, Haraway und manchen Veröffentlichungen des sog. new materialism, etc.), wird es uns auch darum gehen, das Verhältnis zwischen Ethischem und Politischen für Theorie und Praxis grundsätzlich zu reflektieren und problematisieren.
Literatur für das Seminar werden u.a. Auszüge aus Butlers Frames of War, aus Silvia Federicis „Aufstand aus der Küche“, aus den Veröffentlichungen des Frankfurter Care-AKs und dem Berliner Kollektiv kitchen politics sein. Den genauen Plan und die Literatur werden wir festlegen, wenn sich alle Teilnehmer_innen zusammengefunden und besprochen haben.

Kontakt: Feministische Philosoph_innen, femphil(at)riseup.net
Erstes Treffen: Donnerstag, 23.04., 18 Uhr c.t. im Feministischen Salon – Frauen*raum (PEG 2.G 215)